Keine Nachtleerung – nirgends.

2012-07-04_Briefkasten
 

Bezirksbügermeister und Bezirksbürgermeisterinnen vor einem der beiden noch bestehenden Briefkästen mitviel zu früher "Nachtleerung" - dem Briefkasten am Weidendamm.

 

Der Stadtbezirk Döhren-Wülfel hat zwar mit 33.000 Einwohnern die Größe einer Kleinstadt, im gesamten Stadtbezirk aber gibt es seit neuestem keinen einzigen Briefkasten mit Nachtleerung mehr, ja nicht einmal mehr eine Leerung nach 18.00h.

Herausgefunden hat das eher zufällig der Waldheimer Gerhard Saborowski, als er in der Liebrechtstraße wie gewohnt abends einen Brief einstecken wollte, und feststellte, dass die Nachtleerungszeiten am Briefkasten ebenso entfernt worden waren, wie die Sonntagsleerung. Daraufhin begann er zu recherchieren, wo denn die nächste Möglichkeit sei, und stellte zu seiner Bestürzung fest, dass es im gesamten hannoverschen Stadtgebiet nur noch ganze zwei Briefkästen mit Nachtleerung gibt, nämlich in der Schlägerstraße und am Weidendamm. Allerdings werden auch diese bereits um 20.30h gelehrt, nicht wie gewohnt um 22.00h.

Von Seiten der Post gab es vorab keinerlei Informationen über die geplante Maßnahme, auch die Mitglieder der Stadtbezirksräte und die Geschäftsleute wurden kalt erwischt. Letztere sehen, wie der IDG Vorsitzende Michael Kellner ausführte, in der Aktion der Post durchaus einen Standortnachteil, da oft noch bis in den Abend hinein gearbeitet würde, die verschiedensten Geschäftsbriefe vom Angebot bis zur Rechnung jedoch verlässlich am nächsten Morgen bei den Kunden im Stadtgebiet und der Region sein sollten.

Damit jedoch nicht genug, gab es von Seiten der Post auch keinerlei Hinweise auf den Standort der nunmehr verbleibenden zwei Briefkästen mit Spätleerung. Wie G. Saborowski feststellte, befindet sich der Innenstadtbriefkasten nicht etwa, wie man vermuten sollte, am Hauptbahnhof, sondern weit ab vom Schuss am Weidendamm. Vom Bahnhof ist das ein Fußweg von ca. 20 Minuten, wie die Bezirksbürgermeister/innen verschiedener Stadtbezirke, darunter auch Initiatorin Christine Ranke-Heck, feststellen mussten, als sie die Probe aufs Exempel machten.

Der Weg führt durch Gebiet, das dem Rotlichtbezirk zuzurechnen ist. Das mag in der Gruppe noch ganz lustig sein, als Einzelperson würde man sich den Gang besonders abends sicherlich zweimal überlegen. Wer mit dem Auto anfährt, findet zwar genügend Parkplätze vor, Fußgänger hingegen haben weite Wege, Personen mit Rollstuhl oder Rollator sind chancenlos. Auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Anbindung an diesen Briefkasten suboptimal. Hinweisschilder auf dessen Standort fehlen völlig.

Auf einen Brief an den Vorstand der Post, Herrn Dr. Appel, den Saborowski ebenso wie einige Bezirksbürgermeister Hannovers absandten, ließ dieser nur lapidar mitteilen, die Versorgung der niedersächsischen Hauptstadt sei ja gesichert, und aus Kostengründen eine Revidierung dieser Entscheidung nicht zu erwarten.

Ist es wirklich zuviel verlangt, gerade bei einer immer älter werdenden Stadtbevölkerung, in einer Landeshauptstadt zumindest einen Briefkasten mit Nachtleerung pro Stadtbezirk vorzuhalten, zumindest aber einen an so zentraler und von überall gut erreichbarer Stelle wie dem Hauptbahnhof? Kundenfreundlichkeit sieht anders aus. Die Bezirksbürgermeister/innen und auch Hannovers Bürgermeisterin Regine Kramarek wollen sich denn auch mit weiteren Postmärschen nicht abfinden, und versprachen, bei diesem Thema am Ball zu bleiben.

Text: Antje Kellner
Photos: Antje Kellner
 

 
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