Entwicklung der 34. Abteilung zum OV Wülfel-Mittelfeld 1945 - 2000:

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Das 150jährige Jubiläum der Partei wurde von einer kleinen Arbeitsgruppe aus der ehemaligen 34.Abteilung, dem späteren OV Wülfel-Mittelfeld, zum Anlass genommen, im Rückblick auf die letzten Jahrzehnte die wichtigsten Rahmendaten der politischen Arbeit in unseren Stadtteilen Wülfel und Mittelfeld aufzuschreiben. An dieser AG haben zeitweilig teilgenommen die Genossen Dirk Battke, Manfred Engelke, Hans Hutfless und Peter Kunze. Manfred Engelke hat die inhaltlichen Ergebnisse der Gespräche protokolliert und nach weiteren Erkundungen zu dem nachfolgenden Bericht zusammengestellt.

Wichtig war der Arbeitsgruppe, einige zentrale Daten aus dem ehemaligen OV Wülfel-Mittelfeld noch v o r dem Jahre 2000, der Vereinigung mit Döhren zum jetzigen OV Döhren-Wülfel, festzuhalten und dessen eigenständige politische Arbeit bis dahin zu dokumentieren.
 

Die 34. Abteilung im Ortsverein Hannover

Verstreuten Notizen und Meldungen in der hannoverschen sozialdemokratischen Tageszeitung VOLKSWILLE zufolge, gehörte die 34. Abteilung in Wülfel bereits während der Weimarer Republik dem damaligen SPD-Ortsverein Hannover an. Versammlungsort für die Genossinnen und Genossen war der “Wülfeler Biergarten” an der Hildesheimer Straße. Noch frühere Berichte im “Volkswillen” aus der Zeit vor der Eingemeindung im Jahre 1907 ordnen die Nachbardörfer Döhren und Wülfel gemeinsam dem “sozialdemokratischen Wahlverein Bezirk Döhren und Wülfel” zu.

Bei den Reichstagswahlen 1907 gehörte Wülfel (im Landkreis Hannover) neben den Städten Hannover und Linden zum Wahlkreis 8. Weitergehende Dokumente aus dieser Zeit liegen heute nicht mehr vor, lediglich aus persönlichen Gesprächen sind noch Genossinnen und Genossen bekannt, die bereits in der Weimarer Republik in unseren Stadtteilen politisch aktiv waren. Im Gedächtnis geblieben sind die Berichte von Friedrich Jipp und Wilhelm Mehmel, die über die Kämpfe gegen die Nazis zu Beginn der 30er Jahre berichteten, sowie die Erinnerungen an die schwere Zeit bis 1945 und unmittelbar danach von Heinrich Tegtmeier, dem langjährigen Mitglied im Abteilungsvorstand, und von Wilhelm Albers, dem ersten Vorsitzenden in der 34. Abteilung nach dem Kriege, der diese auch bereits vor 1933 geleitet hat.

Darüber hinaus reichen die gesicherten Überlieferungen von Namen und Fakten aus der 34. Abteilung kaum bis in den Anfang der 60er Jahre zurück. Erinnert wird die Teilnahme an der Parteiarbeit in der 34. Abteilung durch Hiltrud Freund und Helmut Kasimier in den 50er und 60er Jahren.

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Die Wülfeler Traditionsfahne

Foto: Adolf Göbel

Vom langjährigen Abteilungsvorsitzenden Wilhelm Albers stammen auch die mündlichen Überlieferungen zur Traditionsfahne der 34. Abteilung, die heute (gerinfügig restauriert) im Büro der Landtagsabgeordneten Doris Schröder-Köpf ausgestellt ist. Wilhelm Albers hat berichtet, dass er diese Fahne gemeinsam mit seiner Frau Gertrud - eingenäht in Kopfkissenüberzüge - durch die Nazi-Zeit gerettet hat. Kurz vor seinem Tode 1980 übergab er sie als langjähriger Ehrenvorsitzender des OV dem seinerzeit amtierenden OV-Vorsitzenden (Manfred Engelke), und seither ist dieses Ehrenstück an die folgenden Vorsitzenden des OV Wülfel-Mittelfeld zur Verwahrung weitergereicht worden.

Die Entstehungzeit der Wülfeler Traditionsfahne ist nicht konkret belegt, sie lässt sich jedoch aus ihrer Darstellung erschließen. Der in das Zentrum der Fahne eingestickte Handschlag könnte symbolisch an den Gothaer Einigungskongress von 1875 erinnern; möglicherweise verweist er noch davor auf das Gründungsdatum des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins 1863, denn der Handschlag wird auch auf weiteren und älteren Traditionsfahnen (s. Bildarchiv der SPD) gezeigt, die ausdrücklich das Gründungsdatum des ADAV und namentlich Ferdinand Lassalle benennen. Unter Berücksichtigung dieser Symbolik könnte die Fahne in der wilhelminischen Zeit hergestellt worden sein, in einer Zeit also, in der die Erinnerung an die Entstehung der Sozialdemokratie noch gegenwärtig war. Wichtigstes Indiz für die tatsächliche Herstellungszeit der Wülfeler Traditionsfahne gibt jedoch die eingestickte erste Zeile der Parteihymne, denn diese Liedzeile entstand erst 1918 (Hermann Scherchen) und wurde erst ab Beginn der 20er Jahre einer breiteren Parteiöffentlichkeit bekannt. So dürfte es nahe liegen, dass die Parteifahne im Laufe der 20er Jahre angefertigt wurde. Nach Bericht von Wilhelm Albers war sie ein wichtiges Zeichen für das politische Selbstverständnis der Wülfeler Abteilung, und sie gehörte in den 20er Jahren zum symbolischen Mittelpunkt bei feierlichen Anlässen in der Abteilung.

 

Von der 34. Abteilung zum Ortsverein Wülfel-Mittelfeld (1973)

Die nach Kriegsende (wieder-)gegründete 34. Abteilung im Ortsverein Hannover umfasste die Stadtteile Mittelfeld (mit der Siedlung Seelhorst, jenseits des Messe-Schnellwegs) und Wülfel (von der Bothmerstraße bis zur Stadtgrenze Laatzen). Wegen der Ausdehnung des Stadtgebiets wurden die politischen Aktivitäten der Abteilung auf die beiden Stadtteile Wülfel und Mittelfeld gleichmäßig verteilt. Die Parteiarbeit konzentrierte sich im Laufe der 50er und 60er Jahre auf zwei Lokale diesseits und jenseits der damaligen Bahnschranke Am Mittelfelde, das CLAUDIUS ECK in Wülfel (Ecke Claudiusstraße) und die Traditions-Gaststätte ZUR SONNE an der Ecke Ahornstraße/Am Mittelfelde, die während eines SPD Parteitags im Herbst 1959 auch von Herbert Wehner als Gast der Abteilung besucht wurde. In den Sitzungszimmern beider Gaststätten fanden im regelmäßigen Wechsel die traditionellen Funktionärssitzungen im kleineren Kreis und zu besonderen Anlässen auch die allgemeinen Mitgliederversammlungen der Abteilung statt.

Mit den Neuwahlen des Vorstandes gegen Ende der 60er Jahre verlagerten sich die Aktivitäten in der 34. Abteilung und in dem seit Frühjahr 1973 gegründeten Ortsverein Wülfel-Mittelfeld stärker auf die breite Basisarbeit in der Mitgliedschaft. Die mitgliederöffentlichen Funktionärssitzungen und die jetzt häufig einberufenen Mitgliederversammlungen erforderten auch wegen der deutlich größer gewordenen Mitgliederschaft (zeitweilig über 300 Mitglieder in den 70er Jahren) größere Versammlungsräume. Bereit gestellt wurden diese im “Hochzeitszimmert” der WÜLFELER BRAUEREI-GASTSTÄTTE (Hildesheimer Straße) und in der neu erbauten Begegnungsstätte Am Mittelfelde 104.
 

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Das "Claudiuseck", 2013, Foto: Manfred Engelke

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"Zur Sonne", 2013, Foto: Manfred Engelke

VORSITZENDE:

Ab 1945

34. Abteilung im Ortsverein Hannover

Wilhelm Albers (*15.10.1897 gest. 1.8.1980) bis 1968, Ehrenvors. bis 1980
 

Fritz Dühlmeier, 1968

Peter Kunze, 1968 - 1974

Ab 1971

Gründung des SPD-Stadtbezirks Döhren-Wülfel-Mittelfeld

Manfred Engelke

Ab 1974

Ortsverein Wülfel-Mittelfeld im Unterbezirk Hannover

Peter Kunze, 1974-1978

Manfred Engelke, 1978 - 1981

Peter Seidel

Peter Duffke

Hans Hutfless

Martina Funke-Bräuer

Petra Henrion

Ab 2000

Vereinigung zum Ortsverein Döhren-Wülfel

KOMMUNALPOLITISCHE AKTIVITÄTEN

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Banner des Ortsvereins Wülfel-Mittelfeld, 1980, Foto: Manfred Engelke

Ein wesentlicher Teil der politischen Arbeit in der 34. Abteilung galt seit jeher dem Aufbau und dem örtlichen Wohlergehen der Stadtteile Mittelfeld und Wülfel, in Erinnerung bleibt in diesem Zusammenhang die Tätigkeit des in der 34. Abteilung wohnenden SPD-Ratsherrn (und Vorsitzenden des Bau-Ausschusses im Stadtrat) ALBERT JÄHNERT von 1961 - 1972. [s. dazu HP v. 7.12.1970 und HAZ v. 19.1.1974]. Auch seinem Wirken ist der Bau der Radrennbahn Wülfel und (in Zusammenarbeit mit den sozialistischen Falken und deren damaligen Vorsitzenden Peter Kunze) die Errichtung des Jugendgästehauses der Stadt Hannover an der Wilkenburger Str. zu verdanken.

Verstärkt wurden die kommunalpolitischen Aktivitäten seit Beginn der 70er Jahre im Ortsverein Wülfel-Mittelfeld mit der Forderung nach einem Zentrum für das örtliche Gemeinwesen (BEGEGNUNGSSTÄTTE MITTELFELD) und dem Bau der Kindertagesstätte in Wülfel (KINDERGARTEN WIEHBERGSTRASSE). Beide Projekte wurden schließlich zu Beginn der 70er Jahre realisiert Deren Bau ist untrennbar mit dem Namen der Ratsherrin und späteren zweiten Bürgermeisterin der Landeshauptstadt HANNELORE KUNZE verbunden, die sich in der Zeit von 1972 bis 1996 unermüdlich für die Belange unserer Stadtteile einsetzte und sich darüber hinaus in der überörtlichen Kinder- und Jugendpolitik (insbesondere als Vorsitzende des Jugendwohlfahrtsausschusses des Rats und als langjährige Vorsitzende der örtlichen Arbeiterwohlfahrt) einen Namen gemacht hat.

Eine Fülle weiterer langfristiger kommunalpolitischer Aktivitäten des Ortsvereins Wülfel-Mittelfeld richtete sich in den 70er und 80er Jahren, auch in enger Zusammenarbeit mit den Nachbarortsvereinen, insbesondere

  • auf die örtliche Verkehrsplanung im Süden Hannovers im Zusammenhang mit der Erschließung des Messegeländes (Nordspange) und dem weiteren Ausbau des Messeschnellwegs,
  • auf die Verkehrsberuhigung im Stadtteil Mittelfeld,
  • auf den Erhalt der Kleingärten “Morgenrot”,
  • auf den Schutz des Stadtwaldes Seelhorst bei der Erweiterung des ÜSTRA-Depots,
  • auf den Ausbau des Naherholungsgebiets LEINEAUE,
  • auf die Wohnumfeldsanierung der GBH (Beuthener Str. und Rübezahlplatz) sowie
  • auf den Bestandsschutz der Mieterrechte im ehemaligen Wohnungsbe- stand der NEUEN HEIMAT Am Mittelfelde
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Waldfest 1980, zwischen Hanna u. Rolf Sprenz: OB Herbert Schmalstieg, Foto Manfred
Engelke

Darüber hinaus hat sich der Ortsverein in den 80er und 90er Jahren maßgeblich an zentralen Bürgeraktivitäten wie z.B. dem Rübezahlfest sowie den Aktivitäten zur Belebung der Begegnungsstätte Mittelfeld und der Radrennbahn in Wülfel beteiligt und in den frühen 70er Jahren das traditionelle SPD-Waldfest in der Seelhorst an der 3-Birken-'Wiese begründet [Foto ]. Mit der Einführung des Stadtbezirksrats Döhren-Wülfel 1981 verlagerten sich die kommunalpolitischen Aktivitäten des Ortsvereins über seine gewählten Mitglieder in dieses Gremium.

Aus dem Gebiet unseres Ortsverein Wülfel-Mittelfeld wurden über die Wahlperioden bis zur Gründung des gemeinsamen Ortsvereins hinweg die folgenden Mandatsträger gewählt:
 

als Bezirksbürgermeisterin:

Inge Meyer und Christine Ranke-Heck

als Mitglieder im Bezirksrat:

Hans Demand, Karl-Heinz Graul, Gudrun Hubrig-Lübke, Hans Hutfless, Inge Meyer, Walter Meyer, Christina Müller-Matysiak (später Döhren) Christine Ranke-Heck, Dieter Roloff, Detlev Sprenz, Rolf Sprenz

als Mitglieder im Rat der Stadt Hannover:

Albert Jähnert (1961-1972), Hannelore Kunze (1972-1996), Peter Duffke (bis 1990), Christine Ranke-Heck

als zweite Bürgermeisterin der Stadt Hannover:

Hannelore Kunze

Abschließend soll der Wunsch der AG formuliert werden, der aus dem Überblick über die politische Arbeit in unseren Stadtteilen entstanden ist: aufgrund der überragenden und langjährigen Arbeit von Hannelore Kunze für unsere Stadtteile sollte ihr Wirken gewürdigt werden, indem sich der Ortsverein Döhren-Wülfel für die Namensbelegung der Kindertagesstätte Wülfel mit dem Namen von Hannelore Kunze einsetzt.

Hannover, im September 2013                                                          Manfred Engelke