Kurt Schwitters - ein Waldhausener 1887 - 1948

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Sonntags radele er in die Döhrener Masch. Dort sammelte er verwertbares Material für seine Plastiken und Collagen. Die Rede ist von Kurt Schwitters. Der weltberühnte Maler, Bildhauer und Dichter lebte und arbeitete bis 1935 in unserem Stadtbezirk. Genauer: in der Waldhausenstraße Nummer 5. So kommt es auch, daß ein Bild aus Döhren im Sprengelmuseum zu sehen ist: unser altes historisches Leinewehr.

Kurt Schwitters erblickte am 20. Juni 1997 das Licht der Welt. Damals war Waldhausen noch ein Ortsteile der eigenständigen Gemeinde Döhren. Und die Waldhausenstraße, wo Jahre später im Erdgeschoß des elterlichen Hauses der bekannte "MERZbau" entstehen sollte, hieß noch schlicht Waldstraße. Keiner der Nachbarn dürfte seinerzeit geahnt haben, daß hier ein begnadeter Künstler heranwuchs. Selbst viel später wurde Schwitters noch eher als komischer Kauz denn als Künstler angesehen.

In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen entwickelte Kurt Schwittersw in Waldhausen, das nun zum Stadtteil von Hannover avanciert war, seine sogenannte "MERZkunst". Schwitters - der übrigens, wie ein aufgefundenes Parteibuch belegt, Mitglied der SPD war - schloß sich den Dadaisten an. Aus Resten, Schnipseln, Abfällen und zufällig gefundenen Gegenständen stellte er Collagen her. Der Name MERZ entstand, als der Künstler aus dem Wort "Kommerz- und Privatbank" die Silbe "merz" herausschnitt und als besonderes Element in ein Bild hineinklebte. Neben seinen Collagen schuf er aber auch Skulpturen, malte realistische Bilder und verfaßte Gedichte. Berühmt wurde der Text über "Anna Blume".

Kurt Schwitters Lebenswerk war jedoch der MERZbau. Ab 1925 gestaltete er sein Atelier in der Waldhausenstraße 5A zu einer Grotte mit Gipszacken und allerlei selbstsamer Auswüchsen um. "Kathedrale des erotischen Elends" nannte Kurt Schwitters diesen Raum. Bis 1935 arbeitete er daran. Dann mußte er vor braunen Verbrechern, die nunmehr in Deutschland das Sagen hatten, erst nach Norwegen, dann nach England fliehen. In Ambleside starb der einstige "Döhrener" am 8. Januar 1948 als Asylant, arm und krank. Der MERZbau wurde 1943 mitsamt dem Wohnhaus durch Brandbomben zerstört.

 

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Döhrener Turm