Geschichte des Stadtbezirks

Der Name "Döhren"

983 n. Chr. wurde Döhren (als "Thurnithi") das erste Mal urkundlich erwähnt. Der Name wandelte sich über Thornithe (1022), Dorne (1300), Dornede (1311), Dornde (1320), Dörnede (1344) bis zum heutigen Döhren.

 

Vom Bauerndorf zum Industrievorort und zur Kleinstadt in der Großstadt

Nah der Residenzstadt gelegen, bestand Döhren als eigenständiges, beschauliches, norddeutsches Bauerndorf.
Die Industrialisierung erfaßte 1850 auch das Königreich Hannover. Die ökonomischen und sozialen Umwälzungen im Sog der expandierenden Großstadt Hannover verwandelten Döhren zum Industrievorort. 1907 wurde Döhren in Hannover eingemeindet.
Bäuerliche Gehöfte verschwanden, Industriebetriebe wurden angelegt mit den dazu gehörigen Arbeitersiedlungen und Unternehmervillen. Vor allem Arbeiter und Arbeiterinnen aus dem katholischen Eichsfeld prägten das "neue" Döhren "Sie blieben zusammen, wohnten dicht und geschlossen in der Nähe ihres Arbeitsplatzes: fromme Eichsfelder, sparsam, fleißig, wirtschaftsunternehmungslustig, verwandelten das Dorf Döhren in jene Kleinstadt, die es im Kern immer noch ist."
Es entstand ein ausgedehntes Arbeitervereinswesen und 1888 die katholische St. Bernwardsgemeinde; politisch fühlten sie sich dem Zentrum und der SPD verbunden..
(Quelle: Bultmann, Neumann, Schicke, "Hannover zu Fuß", 1989, VSA)

 

Der Döhrener Turm

Im Jahre 1388 wurde der "Döhrener Turm" als Wehr- und Beobachtungsturm an der südlichen Grenze der Stadt Hannover errichtet. Mehrmals wurde der Turm vom verfeindeten Braunschweiger Herzog niedergebrannt.

 

"Spatzenburg" und ÜSTRA-Depot

Als 1872 die erste Pferdebahn in Hannover ihren Betrieb aufnahm, fuhr die Linie 1 vom Steintor über die damalige Hildesheimer Chaussee zur Endstation "Döhrener Turm". Am Turm schräg gegenüber hatte man einen Betriebshof mit Wagenhalle und Stallungen errichtet. Unmittelbar dahinter befand sich für die Arbeiter der Pferdebahn eine kleine, der winzigen Wohnungen wegen "Spatzenburg" genannte Werkssiedlung: Es hieß damals makaber, wenn jemand im ersten Stock gestorben sei, müsse der Sarg mit dem Leichnam aus dem Fenster abgeseilt werden! Von der gesamten Anlage sind heute nur noch zwei wenig repräsentative Gebäude erhalten, in der Hildesheimer Str. 187 und 191.
Im Jahr 1927 zog das Straßenbahndepot auf das Gelände des Straßenbahngüterbahnhofs und der Gleisschmiede, im Volksmund "Sibirien" genannt, an der Peiner Straße um. Die Bedeutung des vor dem I. Weltkrieg in Hannover weitverbreiteten Transports von Stückgut per Straßenbahn ging zurück. Die Personenbeförderung und das inzwischen elektrifizierte Streckennetz jedoch dehnte sich weit nach Süden aus. Die "Überlandwerke und Straßenbahn (Üstra) AG" ließen sogar Straßenbahnen mit Speisewagen bis nach Hildesheim fahren. Mit dem Bau der U-Bahn wurde in den 70er und 80er Jahren der heutige "Betriebshof Peiner Straße" errichtet.

 

Das "Kleine Freie"

Am 22. Juni 1671 schenkte Herzog Georg von Lüneburg dem Herzog Johann Friedrich von Calenberg als Dank für die Hilfe bei der Einnahme der Stadt Braunschweig die drei Dörfer (Alt-)Laatzen, Wülfel und Döhren. Seit diesem Tag gehört Laatzen zum "Kleinen Freien". Die Einwohner im "Kleinen Freien" hatten besondere Rechte. Sie durfte in den Wälder der Gegend jagen, jedoch mussten sie eine eigenständige Kompanie (Unterstellt dem Amt Koldingen) dem Carlenberger Herzog abstellen.

 

Ziegelei an der Wilmer Straße - 8 Millionen Ziegel jährlich

Zur Jahrhundertwende wurde die "Umgehungsbahn" für den Hauptbahnhof Hannover über Wunstorf, Lehrte und Linden gebaut und begrenzte das vornehme Viertel Waldhausen nach Süden. An der anderen Seite der Bahn, dort wo heute Autofirmen und Schnellimbiss an der Willmer Str. sind, befand sich seit der Mitte des letzten Jahrhunderts der Ziegeleibetrieb Friedrich Willmers: Es wurden "Facadenziegel, Formsteine und farbig glasierte Steine" hergestellt. 1886 erreichte die Jahresproduktion 8 Millionen Ziegel, 1892 waren 126 Arbeiter beschäftigt. Die Gebäude der 1901 zur "Döhrener Dampfziegelei" zsammengefaßten Betriebe wurden im 2.Weltkrieg zerstört.

 

Quellen

Bultmann, Neumann, Schicke, "Hannover zu Fuß", 1989, VSA
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