Mittelfeld

Lage des Stadtteils

Mittelfeld ist einer der Viertel (Mittelfeld, Kronsberg, Bemerode), die sich im Südosten Hannovers befinden und liegt unmittelbar am Messegelände (Messegelände Hannover).

 

Vom Spargelacker zur neuen Heimat vieler

Um die aus ihrer Heimat vertriebenen Flüchtlinge mit Wohnraum zu versorgen, entstanden bzw vergrößerten sich auf dem Döhrener "Bruch" seit 1948 die Stadtteile Mittelfeld und Seelhorst. Zuvor diente das Gebiet den Döhrener Bauern zum Anbau von Gemüse und dem allseits hochgeschätzten Spargel. 1886 hieß es: "Durch die günstige Wahl des Bodens ist das Produkt ein ganz vorzügliches, und ist der Döhrener Spargel weit über die Grenzen des Vaterlandes hinaus bekannt geworden".
(Quelle: Bultmann, Neumann, Schicke, "Hannover zu Fuß", 1989, VSA)

 

Wo heute die Messe ist, war im 13. Jahrhundert Brunirode

Zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert wurden auf Betreiben der Hildesheimer Bischöfe große Teile des ehemaligen Nordwaldes am Kronsberg gerodet und urbar gemacht. Zahlreiche Dörfer wie Kirchrode, Bemerode oder Wülferode entstanden und erinnern mit ihren Namen noch an diese Rodungsperiode. Verwaltungszentrum wurde Kirchrode, wo die Kirche stand (die auch Mutterkirche von St. Petri war). Diese Siedlungsbewegung am Kronsberg kommt etwa Ende des 12. Jahrhunderts am Messegelände zum Stillstand. So gelangt Bruningerode oder Brunirode über seine Anfänge nicht hinaus.

Die Siedlungsstelle lag, wie der Heimatforscher Helmut Flohr aus Grasdorf herausfand, mitten auf dem Messegelände westlich vor der Halle 17. Eine alte Urkunde vom 28. Mai 1253 berichtet, daß der Bauer Eilhard Dumeke den Hof Brüningerod gegen einen jährlichen Zins von drei Talenten innehatte. Da in der Urkunde keine weitere Lagebezeichnung gegeben und eine Vereinbarung über die Erstattung von Baugeldern getroffen wurde, schließt Helmut Flohr in einem Aufsatz in den „Hannoverschen Geschichtsblättern“ daraus, daß Brunirode nur aus einem einzigen Hof bestand und dieser sich zum Zeitpunkt der Urkunde erst im Aufbau befand. Weshalb aber dieser Hof bald wieder eingegangen ist, wurde nicht überliefert.

Eine andere Ansiedlung aber sollte ein Dorf werden: die Ortschaft Eddingerode östlich des Messegeländes. Sie wurde - Scherbenfunden nach zu urteilen - im 11. oder 12. Jahrhundert angelegt. Urgeschichtliche Funde aus der Jungsteinzeit zeigen aber, daß schon früher hier Menschen lebten. In seiner Blütezeit bestand Eddingerode aus fünf großen Hofstellen. Aus Gründen, die uns wohl für immer unbekannt bleiben werden, gaben die Bauern Anfang des 15. Jahrhunderts ihre Höfe auf. 1449 ist in einer Urkunde vom „woeste dorf Edingerode“ zu lesen.

Sichtbare Ruinen gibt es von dem alten Dorf nicht. Nur der Flurname „Engerode“ erinnert daran. Aber Bodenverfärbnungen und Siedlungsabfall könnten noch in der Erde stecken und damit den Archäologen wertvolle Hinweise über das Leben der einfachen Leute im Mittelalter geben.

Jens Schade

 

Der Wülfeler Arbeiter Spar- und Bauverein legte den Grundstein von Mittelfeld

Das Herz von Mittelfeld ist der Rübezahlplatz mit dem großen Brunnen. Professor Kurt Lehmann schuf 1954 die Figur des Rübezahl. Die steinerne Märchengestalt sollte an die schlesische Heimat erinnern. Denn in den heute klein anmutenden Wohnungen rundherum fanden Menschen aus diesem Teil Deutschlands nach Krieg und Vertreibung wieder eine feste Bleibe. So entstand der eigentliche Stadtteil Mittelfeld Anfang der 50iger Jahre mit seinem Mittelpunkt, dem Rübezahl-Platz. Eigentlich ein etwas unanständiger Name. Denn der Namensbestandteil „Rübe“ geht auf das mittelhochdeutsche Wort Ribe zurück, welches Dirne heißt und „zahl“ kommt von Zagel, das - hier in obzöner Bedeutung - für „Schwanz“ steht. Vergessen wir es wieder, denn wer möchte schon am „Dirnenschwanz“-Platz wohnen.

Mittelfeld gehörte einst zur Wülfeler Feldmark. Anfang des 20. Jahrhunderts wuchsen im Bereich der Ahornstraße und im Triftfeld die ersten Häuser empor. Unter anderem baute hier der Wülfeler Arbeiter Spar- und Bauverein. Doch richtig los ging es erst nach dem 2. Weltkrieg. Im Zusammenhang mit der gleichnamigen Baufachmesse entstand 1951 die Constructa-Siedlung mit den Rübezahlbrunnen. Damals galt sie als richtungsweisend für den Wohnungsbau der Nachkiegszeit. Heute stehen die kleinen Häuschen unter Denkmalschutz.

Jens Schade

 

Im Speisewagen verwöhnte die Üstra ihre Gäste

Am 2. Mai des Jahres 1950 wurde der Stadtteil Mittelfeld Ort eines ganz besonderes Ereignisses. Eine Straßenbahn mit dem "E" im Nummernschild rumpelte vom Bahnhof Glocksee auf den Gleisen in Richtung Süden und zerschnitt ein quer über die Eisenbahnbrücke Garkenburgstraße gespanntes weißes Band. Erstmals nach mehr als 20 Jahren nahm die Üstra damals eine neue Straßenbahnstrecke in Betrieb. Unter den anwesenden Ehrengästen befand sich auch Niedersachsens erster Landesvater, Ministerpräsident Hinrich Wilhelm Kopf. Schließlich war es ein ganz besonderes Gleisstrang, der dem Verkehr übergeben wurde: die Messelinie ging in Betrieb.

Der Startschuß zu der neuen Strecke fiel erst am 20. Februar 1950. Die Üstra baute in einer Rekordzeit von nur 71 Tagen den drei Kilometer langen Gleisabschnitt zwischen der Hildesheimer Straße und dem Messe-Nordeingang. Damit zeigten die Straßenbahner, daß sie schneller bauen konnten, als das Bauamt die ganze Sache absegnen. Die Baugenehmigung brachte erst Ministerpräsident Kopf als besonderes Präsent zur Einweihung mit. Dabei waren die Bauarbeiten nicht einfach. Schließlich mußten im Zuge der Garkenburgstraße die Eisenbahngleise überwunden werden.

So wurde eine Brücke mit 80 Meter Spannweite und 250 Meter langen Rampen geschaffen. "Es war ein Wettstreit zwischen den Lastwagen, die am Ende des befahrbaren Weges ständig ihre Ladungen herauskippten und dem Greiferbagger, der die Sandmassen kubikmeterweise in die Lücke zwischen der fertigen Aufschüttung und dem Fudament der Brücke warf", heißt es in einem alten Bericht im Üstra-Archiv.

Die Üstra gewann den Wettlauf mit der Zeit. Als am 3. Mai 1950 bei Kaiserwetter die Hannover-Messe ihre Pforten öffnete, konnte die Straßenbahngesellschaft die Gäste aus aller Welt mit einem wohl einmaligen Service verwöhnen. Während die Straßenbahn 26 Minuten lang ihrem Ziel entgegenrumpelte, servierten im gardinenverhangenen Straßenbahn-Speisewagen mit der Nummer 1045 hübsche Hannoveranerinnen mit weißen Häubchen zur Musik vom Plattenteller belegte Brötchen, heiße Würstchen oder kaltes Eis. Bier und Liköre lockten an der Waggon-Bar.

Ursprünglich sollte die Linie 8 nur zur Messezeit bis zum Messegelände fahren. Als regulärer Endpunkt baute die Üstra eine Wendeschleife schräg gegenüber der St. Eugeniuskirche. Später wurde diese Schleife Endpunkt der zweiten Mittelfelder Linie, der "16". Doch auch dies ist heute Vergangenheit. Die Gleisschleife ist verschwunden, geblieben ist von der Wendeanlage nur noch eine Grünfläche.

Die Mittelfelder nahmen die neue Straßenbahnverbindung dankbar an. Noch im Einweihungsjahr 1950 meldete die Üstra: "Einen drängenden Wunsch entsprechend verkehrt die Linie 8 neuerdings bis in die späten Abendstunden, um den Einwohnern der Siedlung Mittelfeld die Gelegenheit zu abendlichen Besuchen in der Stadt zu geben." Allerdings mußten die Mittelfelder Nachtschwärmer auf den Messe-Luxus verzichten und sich mit einfachen Holzbänken begnügen. Und Bier oder Likör wurde erst recht nicht mehr ausgeschenkt.

Jens Schade

 

Sogar der Messe-Turm steht unter Denkmalschutz

Die Palette der hannöverschen Baudenkmale reicht vom finsteren Mittelalter bis in unsere Tage. Einige der jüngsten Vertreter denkmalgeschützter Architektur stehen auf dem Messegelände in Mittelfeld.

Es begann vor 40 Jahren. Jahrhundertelang war hier nur Wald gewesen; das Mastbruchholz am Südende des Messegeländes erzählt noch davon. Der Mensch mit seiner Gehöftsiedlung Brunirode blieb Episode. Erst in jüngster Vergangenheit kam die Industrie mit einem Leichtmetallwerk und die Nachkriegszeit mit dessen Demontage. Und dann wurde als Konkurrenz zur Leibziger Messe - die ja in der SBZ lag - nach einem neuen zentralen Messeplatz im Westen Deutschlands Ausschau gehalten.

Der britischen Militärregierung ist es zu verdanken, daß Hannover Messestadt wurde. Eigenlich gebührte diese Ehre ja Laatzen. Denn bis 1974 gehörte das Gebiet zu unserer Nachbargemeinde. Dann kam es nach Hannover und damit in unserem Stadtbezirk. Laatzen klagte sogar beim Bundesverfassungsgericht gegen dedn Verlust und verlor. Zurück zu den Briten. Sie ermöglichten 1947 die „Export-Messe Hannover“. 1300 Aussteller auf 21.500 Quadratmetern verhalfen der Schau zum Erfolg. Exportaufträge im Wert von 31,5 Millionen Dollar wurden ausgehandelt. Den Hannoveranern allerdings interessierte in einer Zeit mit vielen hungrigen Mägen mehr die Fischbrötchen, die es ohne Lebensmittelkarten gab.

Die Fischbrötchen sind vergessen, die Messe aber wuchs zu einem hochkarätigen Unternehmen heran. Auf ihren Gelände entstanden sogar schon Baudenkmale: Die Architekten Brockmann und Lichtenhahn errichteten 1950 die Europahalle (Halle 7), 1951 schufen die Architekten Gutschow, Finsterwald und Pistor den Sonderbau für die Zementindustrie. Zum Wahrzeichen wurde jedoch der 86 Meter hohe Hermesturm, 1957 von Architekt Gabriel konstruiert. Seine Bauweise mit zwei Betonröhren und die schnellen Fahrstühle erregten damals Aufsehen. Und heute urteilen die Denkmalpfleger, er sei eines der bedeutensten Turmbauwerke von Hannover.

Jens Schade

 

Das Programm Soziale Stadt

Im Stadtteil Mittelfeld hat es in den letzten Jahren durch das Programm 'Soziale Stadt' erheblich Verbesserungen ergeben.

 

Das Bundesprogramm "Lokales Kapital für soziale Zwecke" (LOS)

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat die Durchführung der dem Bund zugeordneten Teile des Programms "Lokales Kapital für soziale Zwecke" (LOS) (Maßnahme 11 gemäß Artikel 4 Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 1784/1999 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 12. Juli 1999 betreffend den Europäischen Sozialfonds) übernommen. Dieses Programm wird aus dem Europäischen Sozialfonds gefördert. Es ist beabsichtigt, das Programm "Lokales Kapital für soziale Zwecke" sowohl in den im August 2002 vom Hochwasser betroffenen Kommunen und Landkreisen als auch in den Kommunen und Landkreisen des Programms der Bundesregierung "Die Soziale Stadt", www.sozialestadt.de bzw. seiner komplementären Programmplattform "Entwicklung und Chancen junger Menschen in sozialen Brennpunkten (E & C)", www.eundc.de, umzusetzen.

In der Umsetzung der genannten Förderschwerpunkte sollen besonders solche Initiativen gefördert werden, die sich der Integration von Immigranten auf dem Arbeitsmarkt, § der Bekämpfung von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, der Integration benachteiligter Jugendlicher, der Förderung des Ehrenamtes, Frauenprojekten, sowie älteren Arbeitnehmern widmen.

 

Förderschwerpunkte

  • Unterstützung einzelner Aktionen zur Förderung der beruflichen Eingliederung,
  • Berufliche Eingliederung von Jugendlichen und Langzeitarbeitslosen in Projekten zur lokalen
  • Wohnumfeldverbesserung
  • Integrationsprojekte für jugendliche Migranten/Migrantinnen
  • Gezielte Maßnahmen gegen den Schulabbruch Benachteiligter
  • Unterstützung von Organisationen und Netzen, die sich für benachteiligte Menschen am Arbeitsmarkt einsetzen,
  • Betriebswirtschaftliche Weiterbildung für lokale Kleinstinitiativen
  • Förderung des Zusammenschlusses von Langzeitarbeitslosen
  • Unterstützung von Aktivitäten lokaler Vereine
  • Maßnahmen zur Gründung und Festigung sowie Professionalisierung von Selbsthilfeorganisationen benachteiligter Menschen
  • Unterstützung bei der Existenzgründung und bei der Gründung von sozialen Betrieben,
  • Beratung bei der Existenzgründung kleiner Projekte
  • Existenzgründungshilfen für benachteiligte Personen in geringer Höhe (de minimis)
  • Starthilfe für soziale Betriebe und Selbsthilfeeinrichtungen

Mittelfeld im Internet