Seelhorst

Geschichte des Stadtteils

1485 taucht die "Gardeckerburg" im bischöflichen Lehnsregister von Hildesheim auf. Das genaue Aussehen der Gardeckerburg - ein wehrhaftes Schloss - ist unbekannt, doch lag sie am Südrand des Waldes Seelhorst. Die Größe des gleichnamigen Waldes Seelhorst beträgt ca 900ha. Am Waldrand im Nordwesten lag das Dorf Süßerode (11.-14 Jh.)

1613 "Süßeroder Kirchhof" und Galgen auf einer Karte der Gegend verzeichnet.

1820 - Belege eines Fachwerks lassen darauf schließen, dass in der Seelhorst bereits Waldarbeiter und -Aufseher ihre Unterkunft hatten.

1852 - Werner von Grävemeyer, einer der ersten Bauherren in der Seelhorst - lässt sich ein Jagdhaus errichten.

1919 legt die Stadt Hannover den Stadtfriedhof Seelhorst an.

1907 eingemeindet mit diesen Dörfern in Hannover. Seelhorst gehörte ursprünglich zu Bemerode.

 

Der Stadtfriedhof Seelhorst

Dem Stadtteil gehört der größte Friedhof Hannovers an, der Stadtfriedhof Seelhorst. Der "Stadtfriedhof Seelhorst" war schon 1919 angelegt worden. 1945 wurde der Friedhof zum Schauplatz der letzten nationalsozialistischen Bluttat in Hannover: Nach ihrem Einmarsch entdeckten amerikanische Soldaten in Massengräbern die Leichen von 526 Menschen, meist Zwangsarbeiter und KZ-Insassen, darunter 154 Sowjetbürger, die noch am 6. April von der Gestapo ermordert worden waren. Die meisten dieser Toten wurden später auf den Ehrenfriedhof am Arthur-Menge-Ufer am Maschsee umgebettet.
Am 9. Juni 1967 wurde Benno Ohnesorg auf dem Seelhorster Friedhof beigesetzt. Benno Ohnesorg war durch einen Schuß des Polizeiobermeisters Karl-Heinz Kurras getötet worden, als es nach einem brutalen Polizeieinsatz anläßlich des Staatsbesuchs des Schahs von Persien zu Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten in der Berliner Innenstadt kam.
(Quelle: Bultmann, Neumann, Schicke, "Hannover zu Fuß", 1989, VSA)

 

Ein alter Obelisk steht mitten im Wald

Ganz zu Unrecht wird die Seelhorst in der Rangfolge des hannoverschen Grüns etwas stiefmütterlich behandelt. Jeder Erholungswald, der etwas auf sich hält, wünscht sich nämlich so wie die Seelhorst zu sein. Schmerzlich ist nur der Messeschnellweg. Die Verkehrsplaner schlugen eine lange Wunde durch den Wald.

Auf den rund 74 Hektar der Seelhorst stehen zumeist Eichen. Einige sind schon fast 300 Jahre alt. Gesellschaft bekommen sie von Hain- und Rotbuchen und, da, wo es besonders feucht ist, gibt es auch Erlen und Eschen. Früher war die Seelhorst wie ihr Schwesterwald Eilenriede ein sumpfiges Waldgebiet. Erst nach dem Krieg wurden Entwässerungsgräben angelegt.

Eine „Attraktion“ des Waldes ist ein alter Obelisk in der Nähe der Waldwirtschaft. Er trägt die Jahreszahl 1852. Angeblich, so der Heimatautor Helmut Zimmermann, soll er an die Erbauung der Gaststätte erinnern. Eine andere Legende berichtet, daß dort der treue Jagdhund eines Försters begraben sei. Doch dürfte dies wohl auf einer Bedeutungsübertragung vom „Hundestein“ im Georgengarten beruhen.

Jens Schade

 

Werner von Grävemeyer war mit der erste Bauherr

Werfen wir nun einen Blick auf einen hannoverschen Stadtteil, dessen Gebiet erst sehr spät zu Hannover kam. Denn der Stadtteil Seelhorst, von dem die Rede sein soll, entstand auf Flächen, die überwiegend ursprünglich einmal zu Kirchrode und Bemerode zählten. Kam Kirchrode schon 1907 insgesamt zu Hannover, so wurden die Bemeroder Teile erst in den dreißiger Jahren von dem Dorf abgetrennt und hannöversch.

Der Stadtteil Seelhorst selbst zählt rund halbes Jahrhundert. Die Wohnbebauung setzte in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts nach dem Ausbau der Straße "Am Schafbrinke" ein. Aber er ist, wie der Heimatautor Helmut Zimmermann einmal geschrieben hat, "doch nicht ohne Geschichte." Von der Burg, die einst hier stand, und dem verschwundenes Dorf wurde ja schon in früheren Kapiteln berichtet. Daneben gibt es aber auch in dem jungen Stadtteil eine Reihe sehenswerter Baudenkmale.

Neben dem Militär, das an der Seelhorst wohl seit 1861 ein Pulvermagazin unterhielt (ob noch Altlasten davon im Boden schlummern?), zählte ein gewisser Werner von Grävemeyer zu den ersten Bauherren im Gebiet zwischen der Eisenbahnstrecke nach Kassel, der Güterumgehungsbahn und der Bemeroder Straße. Im Jahr 1852 ließ sich der Leutnant außer Diensten am Waldrand der Seelhorst ein kleines eingeschossiges Jagdhaus bauen. Später entstand daraus die heutige Waldwirtschaft. Ein Fachwerkhäuschen an der Hofseite dürfte noch älter sein und bereits 1820 Waldaufsehern als Unterkunft gedient haben.

Zu der Kette von Villen, die vor allem auf der Kirchröder Seite der Bemeroder Straße enstanden, gehört ebenfalls das Wohnhaus Döhrbruch 6. Der 1904 im englischen Landhausstil entstandene rote Backsteinbau mit seinem tief herabgezogenen Dach sei zwar kleiner als die Kirchröder Villen, "aber doch ebenso qualitätsvoll", urteilen die Denkmalpfleger. Sie loben besonders die kontrastreichen schwarz-weißen Fachwerkdetails an dem Wohngebäude.

Einer der "herausragenden Bauten expressionistischer Architektur in Hannover" (Denkmalstopographie), steht inmitten des 1919 angelegten Stadtfriedhofes Seelhorst. Es ist das Krematorium mit der Friedhofskapelle. Der Architekt Konrad Wittmann schuf 1924 die Anlage mit dem mächtigen Kubus der Kapelle. Von ihm stammt auch das zweite Baudenkmal auf dem Friedhofsgelände: der frühere Haupteingang am Hohen Weg.

Ein weiteres denkmalgeschütztes Objekt steht im Seelhorster Wald und läßt so manchen Spaziergänger rätseln. "Was mag sie wohl bedeuten?", wird angesichts der weißgetünchten vierkantigen Säule mit der Spitze sicherlich oft gefragt. Doch der Obelisk im Wald ist Thema eines weiteres Kapitels. Deshalb soll hier nichts weiter verraten werden.

Jens Schade

 

An der Seelhorst stand einst eine alte Burg

Mitten im Stadtbezirk Döhren-Wülfel verläuft die Garkenburgstraße. Mit ihren Namen erinnert sie an eine alte Burganlage, die einmal zwischen Bemerode und Döhren lag.

Ende des 18. Jahrhunderts war das Gelände zwischen Leine und Seelhorst und bis zum Kronsberg bevorzugtes Gebiet für Truppenparaden und Manöver. Zu dieser Zeit bestand nach einem sich im Historischen Museum befindlichen „Plan von dem Exercierplatz für die Artillerie...“ an der Garkenburg ein Exerzierplatz mit ausgebauten Geschützstellungen und Übungsanlagen. Der Name Garkenburg geht jedoch auf eine wesentlich ältere Anlage zurück.

1485 taucht das wehrhafte Schloß als „Gardeckerburch“ in einem Lehnsregister der Bischöfe von Hildesheim auf. Die Garkenburg lag ungefähr zwischen der Südspitze der Seelhorst und der Südostecke des Friedhofes.

Niemand weiß, wie die Burg ausgesehen hat. Ein Studienrat Müller beschrieb sie 1893 als „Ringwall ähnlich der Gernandesburg.“ Dieser Studienrat sagte aber nicht, woher er seine Informationen hatte. Möglicherweise hat er die Burg mit Schanzen der Artillerie aus dem 18. Jahrhundert verwechselt. Auch der heimatkundliche Schriftsteller R. Brandt beschäftigt sich in seinem 1947 herausgegeben Buch „Im Schatten der Residenz“ mit dem verschwundenen Schloß. Er schreibt von Spuren befestigter Siedlungen am Westrand der Seelhorst, zu der die Garkenburg gehört habe und Sitz adeliger Gerichtsherren gewesen sei.

Jens Schade

 

Das verschollene Dorf an der Seelhorst

Es ist kaum zu glauben: Dort wo heute nur Kleingärten sind, lag im Mittelalter ein Dorf. Zwischen Döhren und Bemerode gab es am Nordwestrand der Seelhorst bis in das 14. Jahrhundert hinein die Siedlung Süßerode. Niemand weiß, weshalb der Ort unterging und für immer von der Landkarte verschwand.

Das Dorf taucht 1339 erstmals als "Zotzingerode" auf. Scherbenfunde deuten aber darauf hin, daß hier bereits im 11. Jahrhundert Menschen siedelten. Damals muß die Gegend an der Seelhorst ganz anders ausgesehen haben. Rund 420 Morgen zählten zur Feldmark des Dorfes. Und wo heute der Seelhorster Wald zu Spaziergängen einlädt, zeugen Spuren von Hochäckern von der Arbeit der Süßeroder Bauern.

Vermutlich war Süßerode ein kleiner Ort mit wohl nur vier Bauerngehöften. Trotzdem gab es wahrscheinlich sogar eine Kapelle. Denn in einer Urkunde aus dem Jahr 1483 heißt es: "... und ist gewesen de Kerckhoff". "Kerckhoff aber bedeutet Kirchhof und das ist ein Begräbnisplatz rund um eine Kapelle oder Kirche. Das Gotteshaus war wohl nach Kirchrode eingepfarrt. Noch lange Zeit später gehörten Teile der ehemaligen Süßeroder Feldmark der Pfarre zu Kirchrode.

Jens Schade

 

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